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Bäche zu weißen Schleiern zerfließen lassen

Bäche zu weißen Schleiern zerfließen lassen

Graufilter einsetzenMuntere Bäche und gemächliche Ströme erfreuen das Auge, weil sie lebhaft sind. Im Foto geraten sie allerdings ins Stocken, Gischt und Wellen bieten keine Abwechslung mehr. Doch lässt sich durch einen einfachen Trick jedes Gewässer stimmungsvoll gestalten: Man verlängert einfach die Verschlusszeit so lange wie möglich. Beispielsweise lassen bereits wenige Sekunden jede Strömung zu einem weißen Schleier zerfließen, der reizvoll mit Moos und Zweigen kontrastiert. Selbst ein trübes Gewässer erscheint so rein und schön.

Um die Kamera länger belichten zu lassen, ist der Modus "S" eine praktische Einstellung, den viele Kameramodelle bieten. Das S steht für "Shutter Priority" (englisch für Verschlusszeitvorwahl). Hierbei werden beispielsweise fünf Sekunden vorgegeben. Die Blendenöffnung - als zweiter Faktor der Belichtung - richtet sich automatisch danach, und schließt so weit als möglich. Jedoch stößt die Methode recht bald an natürliche Grenzen.

Eine lange Verschlusszeit wirft zwei Probleme auf: Erstens kann kein Fotograf eine Kamera mehrere Sekunden lang halten, ohne dass er sich bewegt. Da hilft auch kein Bildstabilisator, der in manchen neuen Kameras das Zittern der Hand begrenzt ausgleicht. Die Folge sind unschöne Bewegungsunschärfen. Zweitens fällt durch die lange Verschlusszeit mehr Licht auf den Film oder Bildsensor. Selbst wenn man im Gegenzug die Blende noch so weit schließt, gelingt selten eine Aufnahme. An einem schönen Sommertag etwa wäre jede zwangsläufig überbelichtet.

Helfer beim Schaumschlagen

Dem Wackel-Problem begegnet man einfach mit einem Stativ. Es harrt erschütterungsfrei aus, bis die Aufnahme im Kasten ist. Und wenn mittels Selbstauslöser geknipst wird, schließt man auch den Fingerdruck als Verwacklungsquelle aus.

Das zweite Problem mit der Überbelichtung löst ein Graufilter, der auch ND-Filter genannt wird. ND kürzt hierbei das englische Neutral Density ab, das in etwa mit neutraler Schwärzung zu übersetzen ist. Er blockt Licht ab, ohne dass unerwünschte Farbveränderungen auftreten. Das preiswerte Zubehör lässt sich vor jedes Objektiv schrauben, das mit einem Filtergewinde ausgestattet ist. Ansonsten werden von manchen Herstellern auch Lösungen angeboten, die sich magnetisch oder mit Schraubvorrichtungen befestigen lassen. Damit dürfte jeder Besitzer einer Kamera in den Genuss des nützlichen Filters kommen.

Graufilter in verschiedenen Stärken.
Kameraobjektiv mit dem angeschraubten Filtervorsatz.

Wie stark ein solcher Objektivvorsatz abdunkelt, ist auf jedem vermerkt. Beispielsweise kann man eine Angabe wie 64x finden. Sie bedeutet, dass die normale Verschlusszeit mit 64 multipliziert wird. Falls der Belichtungsmesser etwa ohne den Vorsatz eine Verschlusszeit von 1/125 Sekunde vorgibt, kann stattdessen 0,5 Sekunde belichtet werden. Allerdings muss man sich um solche Zahlenspiele meist keine Gedanken machen. Alle Kameras, die ihre Belichtung durchs Objektiv hindurch ermitteln (Through The Lens = TTL-Messung), berücksichtigen auch dessen Vorsatz. Dies gilt für die meisten Spiegelreflexkameras und digitalen Kompaktkameras. Nur bei analogen Sucherkameras muss man rechnen und die korrekte Verschlusszeit selbst einstellen.

Steine und Bach kontrastieren reizvoll.
Schaumkronen und Dunst verbinden sich zu einem hellen Gespinst.

Der Trick ist einfach, doch der Eindruck überwältigend. Viele Landschaftsaufnahmen erhalten damit eine traumhafte Atmosphäre, egal ob es sich um Meeresbrandung oder Bäche handelt.

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