Etwas mehr als ein Jahr ist vergangen, seit Sony mit der Alpha 100 eine klassische Einsteiger-D-SLR vorgestellt hat. Nun folgt die nächste Kamera der Serie - die Alpha 700 für Fortgeschrittene und Anspruchsvolle. Höhere Auflösung und Geschwindigkeit sind nur zwei der zusätzlichen Fähigkeiten.
Man kann sich vortrefflich über die Vor- und Nachteile aktueller Ausstattungsmerkmale von digitalen Spiegelreflex-Kameras streiten. Viele Fotografen wünschen sich beispielsweise einen Bildstabilisator nach dem CCD-Shift-Prinzip, der unabhängig von Objektiven ist. Andere bemängeln den höheren Stromverbauch eines solchen Systems und nutzen lieber die Vorteile starker ISO-Empfindlichkeit für kürzere Verschlusszeiten. Mancher Lichtbildner wünscht sich eine möglichst hohe Auflösung des Bildsensors. Ein anderer hält dagegen, dass hohe Pixelzahlen meist stärkeres Bildrauschen bedeuten. Solche Diskussionspunkte gibt es viele und Sony versucht mit der Sony Alpha 700, den meisten Kritikpunkten der D-SLR-Welt mit einer passenden Lösung zu begegnen.
Die neue Kamera basiert, wie auch die Alpha 100, auf dem Konica-Minolta-System. Das ist ein Vorteil insbesondere für Fotografen, die ältere Optiken dieses Herstellers besitzen, denn sie können vielfach ohne Einschränkungen an der neuen Alpha 700 eingesetzt werden. Dazu kommt eine von Sony entwickelte, brandneue Sensor- und Bildverarbeitungs-Technik, die hohe Geschwindigkeit und Bildqualität verspricht. Werfen wir zunächst einen Blick auf die Ausstattungsmerkmale der Kamera.
Das Herz der Sony Alpha 700 bildet ein neu entwickelter CMOS-Sensor namens "Exmor", der auf einer dem APS-C-Format entsprechenden Aufnahmefläche rund 12 effektive Megapixel versammelt. Damit lassen sich Bilddaten durchaus in Posterabzüge jenseits von DIN A3 verwandeln, zudem steht ausreichend Pixelmenge für schöne Ausschnittsvergrößerungen zur Verfügung. Die Analog-Digital-Wandlung sowie die Optimierung der Bilddaten übernimmt der so genannte "BIONZ"-Bildprozessor, der bei Bedarf und hohen ISO-Empfindlichkeiten eine doppelte Rauschunterdrückung einsetzt.
Der CMOS-Sensor der Kamera ist in einer speziellen Aufhängung gelagert, die Verwacklungen durch die Fotografenhand ausgleicht - diese Lösung wird generell CCD-Shift (in diesem Falle eigentlich CMOS-Shift) genannt, Sony bezeichnet es als "Super Steady Shot". Der Hersteller gibt außerdem an, dass mindestens 3 Blendenstufen an Verschlusszeit gewonnen werden können, im günstigen Fällen sogar bis zu vier. Eine entsprechende Verwacklungswarnung wird im Sucher angezeigt.
Zusätzlich verfügt der Bildsensor über ein zweifaches System zur Staubvermeidung: Zum einen ist die Fläche vor dem Bildsensor antistatisch beschichtet, sodass sie von sich aus keine Schwebeteilchen anzieht. Zum anderen schüttelt der CMOS durch schnelle Vibrationen eventuell anhaftende Staubteilchen einfach ab.
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Ein kameraspezifischer Lithium-Ionen-Akku ist für die Stromversorgung zuständig. Ein passendes Ladegerät wird mitgeliefert. |
Das extrem hochauflösende Display ist mit 3 Zoll Bilddiagonale großzügig bemessen. |
Das Autofokus-System der Alpha 700 bietet 11 Messpunkte inklusive eines zentralen Kreuzsensors, der sowohl horizontale als auch vertikale Strukturen zur Scharfstellung erkennt. Die Kamera stellt wahlweise im Mehrfeld-Verfahren oder auf einen von 11 wählbaren Spots scharf. Die Betriebsart AF-C ermöglicht die permanente Fokussierung auf bewegliche Motive. Bei schlechtem Umgebungslicht hilft außerdem ein AF-Hilfslicht bei der Kontrasterkennung, dessen Reichweite bei etwa 7 Metern liegt.
Die Belichtung übernimmt das TTL-System mit 40 wabenförmigen Messfeldern wahlweise im Multisegment- oder Spot-Verfahren oder mittenbetont. Alle Aufnahmeprogramme, die man von eine modernen SLR-Kamera erwarten kann, sind dabei: Automatik, Verschlusszeit-Priorität, Blendenvorwahl oder komplett manuell. Weiter gibt es einige Motivprogramme, die man sonst nur von Kompaktkameras gewohnt ist - etwa Porträt, Landschaft oder Nachtaufnahme. Eine Belichtungskorrektur von plusminus 2 Blendenstufen ist ebenso möglich wie AE-Bracketing in EV-Stufen von 0.3, 0.5 oder 0.7 jeweils für 3 oder 5 Aufnahmen. Die Belichtungszeiten reichen von 1/8.000 bis 30 Sekunden sowie bulb. Die Blitzsynchronisierungsgeschwindigkeit liegt bei 1/250 Sekunde.
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Als Speicherkarten sind CompactFlash-Karten sowie MemorySticks vom Typ Duo/Pro Duo zugelassen. |
Das im Lieferumfang enthaltene Kitobjektiv ist der Kamera qualitativ nicht ebenbürtig. |
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Neben dem obligatorischen USB/AV-Ausgang bietet die Alpha noch eine HDMI-Schnittstelle. |
Aufnahmeeinstellungen werden nicht wie bei vielen anderen SLR-Kameras auf einem Extra-Display auf der Oberseite der Kamera angezeigt, sondern ausschließlich auf dem rückwärtig integrierten Monitor. |
Das integrierte Blitzgerät der Alpha 700 bietet eine Leitzahl 12 (ISO 100). Eine Blitzbelichtungskorrektur von 3 Blendenstufen in Schritten von 0.3 oder 0.5 EV ist möglich. Alle üblichen Programme wie Rote-Augen-Korrektur, Aufhellblitz, Synchro auf 2. Verschlussvorhang und Automatik sind vorhanden. Dank des Zubehörschuhs kann man auch externe Blitzgeräte einsetzen - entsprechende Geräte hat Sony im Zubehör-Angebot.
Als Speichermedium sind CompactFlash- und MemoryStick-Karten vorgesehen, auf denen die Kamera JPEG- und Raw-Bilddaten hinterlegen kann - wahlweise sogar gleichzeitig. Auf Wunsch wird den JPEG-Dateien das Adobe-RGB-Profil angehängt, das in einem entsprechenden Bilderworkflow einen etwas größeren Farbraum bietet als Standard-sRGB.
Per USB wird die Alpha 700 an einen Computer angeschlossen, außerdem besitzt die Kamera eine HDMI-Schnittstelle, die den Anschluss an entsprechende TV-Geräte ermöglicht - Fotos können auf diese Weise verlustfrei in der Full-HD-Auflösung auf dem Bildschirm präsentiert werden.
Die notwendige Energie besorgt ein leistungsfähiger Lithium-Ionen-Akku NP-FM500H, der nach Hersteller-Angaben mit einer Ladung bis zu 650 Aufnahmen durchhält.
Die Kamera ist kompatibel zu sehr vielen älteren Objektiven von Konica-Minolta (Maxxum, Dynax-Serie). Außerdem bietet Sony neue Objektive, teilweise mit Technik von Carl Zeiss, die speziell für die Alpha-Serie entwickelt wurden. Hier findet sich ein Objektiv für jeden Einsatzzweck - von Makro und Extrem-Weitwinkel bis hin zu starken Profi-Teles.
Das Gehäuse der Alpha 700 erinnert hinsichtlich des Designs durchaus an ältere Kameras von Konica Minolta, auch wenn es in Details verändert wurde. Im Gegensatz zu vielen anderen D-SLRs dieser Preisklasse findet sich bei der Sony kein Display auf der Oberseite des Griffs, statt dessen werden aufnahmerelevante Daten auf dem großen Display auf der Rückseite des Gehäuses angezeigt und sogar um 90 Grad gedreht, wenn der Fotograf die Kamera für das Porträt-Format positioniert. Dessen Qualität und Auflösung gehören zum Besten, was man derzeit käuflich erwerben kann - technische Details zum Monitor finden sich im Abschnitt "Besonderheiten".
Die Menüführung mit einem speziellen Joystick ist gelungen, denn anstatt sich durch Menüs zu hangeln, kann man direkt auf dem Infobildschirm für die Aufnahmeeinstellungen einen Wert anwählen, um ihn zu ändern. Freilich stehen außerdem kleine Rädchen an Vorder- und Rückseite des Kameragriffs zur Verfügung, um beispielsweise schnell Blende und Verschlusszeit zu ändern. Das Bedienkonzept der Alpha 700 ist gelungen und vermeidet soweit wie möglich Verschachtelungen in den Einstellungsmenüs. Das Gehäuse selbst ist stabil, für eine Kamera dieser Größe aber nicht unnötig schwer und gilt nach Herstellerangabe als begrenzt wetterfest. Sony bietet für besonders fleißige Fotografen einen zusätzlichen Batteriegriff an, der fast alle Bedienelemente dupliziert, um etwa Auslöser oder Einstellrädchen auch bei Aufnahmen im Porträt-Format leicht zugänglich zu machen.
Hinsichtlich der Gesamtausstattung ist nur ein Detail zu bemängeln: Die Alpha 700 bietet lediglich einen Kreuzsensor, Klassenkonkurrenz-Kameras von Canon oder Olymus etwa sind hier deutlich großzügiger veranlagt.
Ausgesprochen positiv fällt die Geschwindigkeit der Alpha 700 auf. Die Kamera ist praktisch verzögerungsfrei nach dem Einschalten aufnahmebereit und scheut sich auch nicht, längere Bildserien zu produzieren - sie schafft locker fünf Bilder pro Sekunde im Serienbildmodus bei voller Auflösung von 12 Megapixel und hält diese Geschwindigkeit für mindestens 8 Fotos in Reihe. Voraussetzung ist allerdings eine schnelle Speicherkarte, die mit deutlich mehr als 10 Megabyte pro Sekunde beschrieben werden kann - 133x-Karten von Sandisk oder vergleichbaren Herstellern sind eine vernünftige Wahl.
Auf durchweg hohem Niveau finden sich auch die Ergebnisse der Bildqualitäts-Tests. Mit dem Kit-Objektiv erreicht die Alpha 700 2.336 Linien pro Bildhöhe bei einer realen Pixelhöhe von 2.856 - kein Spitzenwert, eher guter Durchschnitt in diesem Modell-Segment. Bessere Ergebnisse könnten wahrscheinlich mit einer höherwertigen Optik, beispielsweise von Carl Zeiss, erreicht werden. Die Kit-Optik leidet außerdem etwas unter Randunschärfe und einem vergleichsweise hohen Vignettierungswert von 0,64 Blendenstufen (Abdunklung zum Bildrand hin). Auch aus diesem Grund sollten besonders anspruchsvolle Fotografen zusätzliche, qualitativ überzeugendere Objektive auswählen.
Für die Farbsättigung ermittelte der Test einen Prozentwert von 108,2. Damit liegt die Alpha 700 leicht über dem Idealwert aber deutlich unter der quietschbunten Übersättigung wie man sie von einigen Einsteiger-SLRs oder Kompakten gewohnt ist. Einher geht eine recht hohe Farbtreue über das gesamte Spektrum, lediglich in Gelb- und Grün-Bereichen liegt die Alpha etwas daneben, um bespielsweise geschönte Porträts oder Landschaften zu zeigen.
Der Dynamikumfang liegt bei 10,7 Blendenstufen und ist exzellent, die Kamera bietet auch dann noch einen hohen Detailreichtum, wenn das Motiv sehr hohe Helligkeitsunterschiede aufweist.
Hinsichtlich des Bildrauschens hat die Welt bessere Kameras gesehen - aber nicht viele. Bei einer ISO-Empfindlichkeit von 100 liegt ein Rauschwert von 0,39 Blendenstufen an - das ist sehr niedrig und damit sehr gut. Bei der höchsten regulären Empfindlichkeit von ISO 3.200 wird ein Wert von 1,09 Blendenstufen erreicht, was dank der doppelten Rauschglättung ebenfalls noch ein "Sehr gut" verdient. Leicht Abstriche muss man bei derart hohen ISO-Werten machen, wenn es um Detailzeichnung geht. Denn die Rauschunterdrückung eliminiert in ungünstigen Fällen sehr feine Bilddetails.
Es gibt übrigens die Möglichkeit, in einem speziellen Aufnahmemodus eine ISO-Empfindlichkeit von 6.400 zu nutzen, die aber im Regelfall vermieden werden sollte, denn hier wird schon sehr deutlich unangenehmes Rauschen sichtbar.
Fazit: Insbesondere für Besitzer von Konica-Minolta-Objektiven ist die neue Sony Alpha 700 eine sehr gute Alternative zum Neukauf eines Systems, das auf anderen Bajonetten basiert. Aber auch Liebhaber von objektiv-unabhängigen Bildstabilisatoren sowie Freunde eingängiger Bedienung werden mit der neuen Alpha sicherlich ihren Spaß haben. Das erstklassige Display sowie die gute Leistung in Sachen Bildqualität garantieren der Sony einen Spitzenplatz in der Mittelklasse. Nur das Kit-Objektiv lässt etwas zu wünschen übrig.
Um das Testbild in der Originalauflösung (JPEG-Format; beste Qualitätseinstellung der Kamera) anzusehen, klicken Sie auf das Vorschaubildchen. Wegen der Dateigröße kann der Download durchaus einige Zeit in Anspruch nehmen. |
Randunschärfe und Randabschattung ergeben sich durch das Kit-Objektiv, hinsichtlich des Farbrauschens und Farbtreue allerdings ist die Sony vorbildlich. |
Der auf der Rückseite der Kamera integrierte Monitor ist mit drei Zoll Bilddiagonale nicht nur groß, sondern bietet mit einer echten VGA-Auflösung von zirka 640 mal 480 Pixel auch die derzeit feinste Darstellung. Die vom Hersteller verzeichnete Auflösung von 921.000 Punkten bezieht sich auf die einzelnen RGB-Bildpunkte und muss durch 3 geteilt werden, um die reale Pixelauflösung zu erhalten. Die Beurteilung der Bildschärfe in der Nachbetrachtung der Aufnahmen fällt aufgrund der hohen Pixelzahl deutlich leichter als bei Displays anderer aktueller D-SLR-Kameras - ein großer Pluspunkt für die Alpha 700.
| Name der Kamera | Alpha 700 |
| Hersteller | Sony |
| Auflösung | 4272 x 2848 Pixel |
| CCD Brutto | 13 Megapixel |
| Sucher | optischer Sucher Spiegelreflex |
| LCD-Display | 3 Zoll Farb-TFT mit 307.200 Pixel |
| Speichersystem | Compact Flash Typ 1 Compact Flash Typ 2 Micro-Drive Memory Stick |
| Mitgeliefertes Medium | , 0 MB |
| Interner Speicher | - |
| Schnittstellen | USB |
| TV-Anschluss | HDMI und NTSC/PAL |
| IN DER PRAXIS |
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| Einschaltdauer | 0.05 Sekunden |
| Auslöseverzögerung ohne Vorfokus | 0.06 Sekunden |
| Auslöseverzögerung mit Vorfokus | 0.01 Sekunden |
| Bildfolge volle Auflösung | 0.50 Bilder pro Sekunde |
| Bildfolge im Serienmodus | 5.00 Bilder pro Sekunde |
| Max. Bildanzahl Serie | 8 Bilder |
| Belichtung | manuelle Blendenvorwahl manuelle Zeitvorwahl komplett manuell Belichtungsreihenautomatik (Bracketing) Belichtungskorrektur +/- 3 Blendenstufen |
| Eingebauter Blitz | Ja, Reichweite: 3.50 m |
| Blitzmodi | Immer ein Immer aus Automatik-Blitz Slow-Sync Anti-Rote-Augen |
| Zusatzblitz | über Blitz-Schuh über Synchronanschluss |
| Standardbildformat | JPEG , 3 Kompressionsstufen |